Spätneolithische Tellsiedlung Okolište (5200-4500 v. Chr.)

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Als „Butmirgruppe“ oder „Butmirkultur“ wird die aufgrund charakteristischer Keramikstile definierte Ausprägung des Spätneolithikums in Zentralbosnien bezeichnet. Der 5 km westlich des alten Stadtkernes von Sarajewo gelegene eponyme Fundort "Butmir gornji" wurde zwischen 1893 und 1896 durch Wenzel Radimský und Franz Fiala im Auftrag des bosnisch-herzegowinischen Landesmuseums großflächig ausgegraben. Dabei kam eine immense Menge an Fundmaterial darunter sehr qualitätvolle plastisch dekorierte Gefäße und zahlreiche anthropomorphe Figurinen zutage. Bereits kurz nach Beendigung der Feldarbeit veröffentlichten die Ausgräber zwei repräsentative Publikationen des Materials, die in der Fachwelt Aufsehen erregten und der Fundstelle nachhaltig einen festen Platz in der südosteuropäischen Archäologie sicherten.

Fundpl
Zwischen 1948 und 1970 entdeckte der ebenfalls am bosnisch-herzegowinischen Landesmuseum tätige Forscher Alois Benac zahlreiche neue Fundstellen der Butmirgruppe und schuf mit seiner Forschungstätigkeit die Grundlagen für die Periodisierung des bosnischen Neolithikums und seine Einordnung in den überregionalen Kontext. Neben Grabungen in Nebo, Okolište und Arnautovići bilden die gemeinsam mit Maria Gimbutas durchgeführten jugoslawisch-amerikanischen Ausgrabungen an den Fundplätzen Obre I und II einen Höhepunkt seiner Forschungen zum zentralbosnischen Neolithikum. Die beiden Fundstellen, die nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen, lieferten eine über insgesamt zwölf Siedlungs- und Wohnhorizonte reichende Sequenz von Hausbefunden, Werkplätzen, Ofenanlagen etc. und decken die keramische Entwicklung nahezu des gesamten zentralbosnischen Neolithikums ab, die durch zahlreiche 14C-Daten auch absolutchronologisch fixiert sind. Die beispielhafte Vorlage der Befunde und Funde machen die Fundplätze Obre I und II in Verbindung mit der auch quantitativen Auswertung des Fundmaterials, den paläobotanischen, paläozoologischen und anthropologischen Untersuchungen zum wichtigsten Referenzpunkt für das Neolithikum der Region, der allerdings bisher singulär dasteht.

In überregional argumentierenden Arbeiten z. B. von Judith Ann Rasson (1983) und Johannes Müller (1994) wird die Einbindung der Butmirgruppe in weitläufige Kommunikationsnetze aufgezeigt, die mit wechselnder Intensität und Orientierung während des gesamten Neolithikums bestanden.

In der jüngsten Arbeit zur spätneolithischen Butmirgruppe führt Slaviška Perić alle bis dato bekannten Informationen zu den insgesamt 36 Fundplätzen zusammen. Dabei gewinnt die geografische Abgrenzung der Kulturgruppe zwar erheblich an Schärfe; es zeigen sich jedoch gleichzeitig auch die Quellendefizite, die im Hinblick auf die Erforschung kleinräumlicher Siedlungsprozesse bestehen.