Spätneolithische Tellsiedlung Okolište (5200-4500 v. Chr.)

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Ausgehend von den Ergebnissen der geomagnetischen Prospektion und der Ausgrabungen nehmen wir für die Frühzeit der Siedlung Okolište an, dass hier etwa 200 Häuser gleichzeitig bestanden. Aufgrund der relativ geringen Hausgrößen von durchschnittlich 39 m2 gehen wir von nicht mehr als 5 Bewohnern pro Haus aus. Demnach lebten gleichzeitig mindestens 1000 Personen in der Siedlung. Die Schätzungen der Einwohnerzahlen in den deutlich kleineren gleichzeitigen Siedlungen in der Umgebung belaufen sich auf jeweils 500 Personen. Insgesamt betrug die Einwohnerzahl im unmittelbaren Einzugsbereich des Visokobeckens etwa 3500 Menschen, was einer Bevölkerungsdichte von 31 E/m2 entspricht.

Unterschiedlichste Ernährungs- und Kalorienbedarfsberechnungen, die zum Teil auf ethnografischen Analogieschlüssen aufbauen, gehen davon aus, dass bei Dominanz des Getreideanbaus zwischen 0,3 und 0,5 ha Anbaufläche pro Person benötigt werden. Entsprechende Schätzungen für Haustiere kalkulieren, dass zur Ernährung einer  Person ein Rind gebraucht wird, dem mindestens 50 ha Weideareal zur Verfügung stehen müssen. In der Konsequenz muss man pro Haus mit 1,5 ha Anbaufläche und 50 ha Weideareal rechnen.

Aufgrund der genannten Parameter belief sich der Bedarf an Nutzflächen im 110 km2 großen Visokobecken auf 10,5 km2 für den Anbau von Getreide und auf 350 km2 für die Rinderhaltung. Aus den Berechnungen lässt sich schließen, dass hier im Spätneolithikum eine offene Landschaft existierte, in der Konflikte um die Landnutzung sicherlich vorprogrammiert waren. Um die im Umfeld der Siedlungen fehlenden Flächen auszugleichen, dürfte außerdem die unbesiedelte Berglandschaft der Umgebung für mobile Viehhaltung genutzt worden sein.